Niederlage in Siegen

(Foto: Volkher Pullmann, Westfalenpost Olpe)
(Foto: Volkher Pullmann, Westfalenpost Olpe)

1. Regionalliga

Samstag, 21.01.2023

Kreissporthalle Siegen

BG TVO/TV Jahn – SV Haspe 70 70:96 (44:40)

 

Das dritte Viertel sollte abgeschafft werden, am besten sogar die ganze zweite Halbzeit. Das war der unausgesprochene Tenor, der die beiden letzten Spiele der BG TV Olpe / TV Jahn Siegen charakterisierte.

 

Im Spiel zwei nach dem Abgang von Point Guard Shawn Scott wiederholte sich das Debakel des dritten Viertels von Ibbenbüren, als eine, wenn auch knappe, Halbzeitführung komplett aus den Händen gegeben wurde. Es war ein Déjà-vu der unangenehmen Art. Mit 70:96 (44:40) standen die Korbjäger der BG gegen den SV Haspe 70 erneut mit leeren Händen da.

 

An diesen Zustand, nichts Zählbares für die Tabelle zu erhalten, werden sich die Korbjäger von Daniel Baethcke wohl gewöhnen müssen. Aber darüber waren sich die Verantwortlichen auch vorher klar, nachdem Shawn Scott weg war. Sein Name schien wie ein Damoklesschwert über dem Spielfeld zu hängen – und dieses Schwert senkte sich nach dem Seitenwechsel unbarmherzig nieder.

 

Dabei sollte die erste Halbzeit in der Kreissporthalle Siegen Mut machen. Allerdings war der Ausfall von Filip Grabovac schwerwiegender als befürchtet. „Filip ist immer stärker geworden“, so Trainer Daniel Baethcke schon vor Partie, „in der Defensive wie auch am Korb wird er uns fehlen.“ Und doch begann es fast optimal. Das Zusammenspiel klappte, so Baethcke weiter, und er verteilte auch gute Noten.

 

Bilal Atli war gewohnt stark, hatte seine Nerven und Treffsicherheit im Griff, als er Sekunden vor der Pausensirene noch einen Dreier zum 44:40 versenkte. Ebenso hob er Jessy Kangaba und Alexander Gerzen hervor. „Jessy war richtig gut, und Alex legte seine stärkste erste Halbzeit der Saison hin.“ Insgesamt sah Baethcke eine „tolle erste Halbzeit“. Und die Fans hoch oben auf der Tribüne dankten es der Mannschaft.

 

Gästetrainer Michael Wasielewski sah den Beginn natürlich ganz anders: „Die erste Hälfte war katastrophal. Defensiv waren wir richtig schwach, meine Jungs haben nichts von dem umgesetzt, was geplant war.“ Für einen Moment versagte seine Stimme, denn er musste in der Pause sehr laut werden: „Ihr müsst euch den Arsch aufreißen, dann kommt auch die Intensität. In der zweiten Halbzeit waren wir dann viel präsenter. Wir konnten ja von Glück reden, dass wir zur Pause nur vier Punkte hinten lagen.“

 

„Haspe machte dann viel mehr Druck auf den Ball“, analysierte Baethcke und sah viele Fast Breaks der Gäste. So war der Negativlauf von 2:19 zu Beginn des dritten Abschnitts fast ein Spiegelbild der Partie in Ibbenbüren, als die BG in diesem Viertel mit 4:32 unterging. Damit war die Vorentscheidung gefallen. Dem 12:30 folgte im Schlussviertel noch einmal ein deutliches 14:26.

 

Wenn auch Phillip Becker wegen einer Knochenhautentzündung am Sprunggelenk letzte Woche nicht trainieren konnte, so will Trainer Baethcke solche Personalien nicht als Entschuldigung gelten lassen. „Keine Ausreden, wir müssen mit dem Druck umgehen lernen. Wir müssen bereiter sein konsequenter sein. Warum es nur eine Halbzeit funktioniert?“ Diese selbstgestellte Frage lässt er unbeantwortet.

 

Als es nichts mehr zu gewinnen gab außer Erfahrung, betrieb Baethcke „Jugend forscht“. Außer dem 18-jährigen Stammspieler Phillip Becker nutzte der Coach die Gelegenheit für Einsätze von Michael Bartylak und Mika Knoll. Ebenso beorderte er Hüseyin Souleiman aufs Parkett. Doch Michael Bartylak sprach deutlich aus, was sie alle dachten: „Ich hätte lieber nicht gespielt, wenn wir dafür gewonnen hätten.“

 

Das von Daniel Baethcke selbst gewählte Motto „Jugend forscht“ gilt in einem anderen Sinne auch für Haspes Trainer Michael Wasielewski: „Für uns zählt nicht das Erreichen der Playoffs. Unser Ziel ist die Ausbildung junger Spieler, es ist eine Plattform für den Sprung nach oben und wir kooperieren mit der Jugend-Basketball-Bundesliga.“ Solche Möglichkeiten kann natürlich nur eine Basketball-Hochburg wie Hagen bieten. Das ist für Olpe/Siegen in unerreichbarer Ferne.

 

Kader: Marius Hermsen (2), Marcel Weiß (2), Michael Bartylak, Alexander Gerzen (10), Hüseyin Souleiman, Phillip Becker (12), Jan-Eric Schneider, Tomy Vicente (6), Bilal Atli (23), Mika Knoll, Waldemar Gomer, Jessy Kangaba (13).

 

(Bericht & Fotos: Volkher Pullmann, Westfalenpost Olpe)